Osmosewasser: Ist es wirklich gesund? Die Wahrheit über Mineralien, Mythen und die eigentliche Aufgabe von Wasser

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Rund um Osmosewasser kursieren seit Jahren dieselben Aussagen: Es sei ungesund, weil es keine Mineralien enthalte. Oder der Körper brauche unbedingt mineralreiches Wasser, um ausreichend versorgt zu sein. Das klingt erst einmal plausibel. Wenn ein Wasserfilter fast alles herausfiltert, dann müssten doch auch die guten Stoffe fehlen, oder?

Genau an dieser Stelle lohnt sich ein genauer Blick. Denn bei Osmosewasser werden oft zwei Dinge durcheinandergebracht: die Frage, wie viele Mineralien überhaupt noch enthalten sind, und die Frage, welche Rolle Wasser für unseren Körper tatsächlich spielt.

Wenn man beides sauber trennt, zeigt sich schnell: Viele Befürchtungen über Osmosewasser beruhen auf Mythen. Und die entscheidende Qualität von Wasser liegt oft ganz woanders, als viele annehmen.

Inhaltsverzeichnis

Mythos 1: Osmosewasser ist komplett mineralfrei

Umkehrosmose gehört zu den effektivsten Filtertechnologien, die es für Trinkwasser gibt. Sie filtert einen sehr großen Teil der gelösten Stoffe aus dem Wasser heraus, darunter auch Mineralien. Deshalb schmeckt Osmosewasser oft so angenehm weich. Der Kalk ist weitgehend entfernt, und genau das verändert Geschmack und Mundgefühl deutlich.

Aber: Osmosewasser ist in der Praxis nicht komplett mineralfrei. Es ist mineralarm.

Der Grund ist simpel. Keine Umkehrosmoseanlage und auch kein anderer Wasserfilter schafft technisch eine hundertprozentige Entfernung aller Stoffe. In der Regel liegt die Rückhalterate eher bei etwa 98 bis 99 Prozent für die meisten Schadstoffe und gelösten Bestandteile. Das ist hervorragend, aber eben nicht 100 Prozent.

Ein kleiner Rest bleibt also immer im Wasser zurück. Dazu gehören auch geringe Mengen an Mineralien und Spurenelementen. Genau deshalb ist der Begriff „mineralfrei“ bei Osmosewasser eigentlich ungenau.

Ein einfaches Beispiel mit ppm-Werten

Wer das greifbar machen will, kann mit einem kleinen TDS-Messgerät arbeiten. Damit lässt sich grob erfassen, wie viele gelöste Stoffe im Wasser enthalten sind. Gemessen wird in ppm, also parts per million.

Ein Beispiel aus Berlin:

  • Leitungswasser: etwa 270 ppm
  • Nach der Umkehrosmose: etwa 12 ppm

Die genauen Werte hängen natürlich immer von der Anlage und vom Ausgangswasser ab. Aber die Größenordnung zeigt sehr schön, worum es geht: Der Wert fällt massiv ab, aber er fällt nicht auf null.

Und dieser kleine Rest an gelösten Stoffen ist nicht nur normal, sondern trägt sogar zum Geschmack bei. Osmosewasser bewegt sich damit in einem Bereich, der auch in der Natur vorkommt.

Mineralarmes Wasser ist in der Natur nichts Ungewöhnliches

Oft wird so getan, als sei sehr mineralarmes Wasser etwas Künstliches oder Problematisches. Dabei stimmt genau das nicht.

In der Natur gibt es viele Wasserquellen mit sehr niedrigem Mineralgehalt. In schwedischen Seen wurden zum Beispiel Werte von etwa 5 ppm gemessen. Auch manche Alpenquellen in höheren Lagen liegen in einem sehr niedrigen Bereich. Das ist teilweise sogar noch weniger als bei Osmosewasser.

Das zeigt: Schwach mineralisiertes Wasser ist nichts Fremdes. Es ist etwas, das die Natur seit jeher bereitstellt.

Mythos 2: Der Körper braucht mineralreiches Wasser, um genügend Mineralien zu bekommen

Das ist wahrscheinlich der bekannteste Einwand gegen Osmosewasser. Die Logik dahinter klingt zunächst einleuchtend: Wenn Wasser Mineralien enthält, dann müsste mineralreiches Wasser doch helfen, den täglichen Bedarf zu decken.

Schaut man sich die Zahlen an, fällt dieses Argument jedoch ziemlich schnell in sich zusammen.

Wie viel Calcium und Magnesium brauchen wir pro Tag?

Als Beispiel kann man zwei bekannte Mineralstoffe nehmen:

  • Calcium: etwa 1000 mg pro Tag
  • Magnesium: etwa 350 mg pro Tag

Jetzt wird es interessant: Wie viel Wasser müsste man trinken, um diese Mengen allein über ein typisches handelsübliches Mineralwasser aufzunehmen?

Beispielrechnung für Calcium

Ein Glas handelsübliches Mineralwasser enthält im Durchschnitt ungefähr 16 mg Calcium.

Um auf 1000 mg Calcium zu kommen, bräuchte man also rund 63 Gläser Wasser.

Beispielrechnung für Magnesium

Beim Magnesium sieht es kaum besser aus. Ein Glas handelsübliches Mineralwasser liefert im Durchschnitt etwa 5 mg Magnesium.

Um 350 mg Magnesium zu erreichen, wären etwa 70 Gläser Wasser nötig.

Spätestens hier wird klar: Mineralwasser ist als Hauptquelle für die Mineralstoffversorgung völlig ungeeignet. Das gilt nicht nur im Vergleich zu Osmosewasser, sondern grundsätzlich.

Woher bekommt der Körper seine Mineralien wirklich?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: aus der Nahrung.

Ein ganz normales Frühstück macht das deutlich. Nehmen wir als Beispiel:

  • eine Scheibe Brot mit Käse
  • eine Banane
  • ein Glas Mineralwasser

Wenn man die Mineralstoffe dieses Frühstücks vergleicht, sieht man sofort: Der Löwenanteil kommt vom Essen. Das Glas Wasser spielt nur eine sehr kleine Nebenrolle.

Beim Magnesium ist der Beitrag des Wassers fast kaum sichtbar. Beim Calcium ist er ebenfalls nur ein kleiner Zusatz. Brot, Käse und Banane liefern dagegen einen nennenswerten Anteil des Tagesbedarfs.

Und genau so funktioniert Versorgung im Alltag. Wer über den Tag verteilt mehrere ausgewogene Mahlzeiten isst, nimmt seine Mineralien über Lebensmittel auf, nicht über Wasser.

Wie wenig Unterschied macht der Wechsel von Mineralwasser zu Osmosewasser?

Besonders anschaulich wird das, wenn man sich fragt: Was müsste man zusätzlich essen, wenn man ein Glas Mineralwasser durch ein Glas Osmosewasser ersetzt?

Die Antwort ist erstaunlich klein:

  • ein winziger Käsewürfel von etwa 7 x 7 x 7 mm
  • und zwei Mandeln

Damit wäre der Mineralstoffunterschied zwischen Mineralwasser und Osmosewasser schon ausgeglichen.

Das macht sehr deutlich, wie gering der Beitrag von Wasser zur Mineralstoffversorgung tatsächlich ist.

Die eigentliche Aufgabe von Wasser im Körper

Hier liegt der Punkt, der oft übersehen wird. Wasser ist für unsere Mineralstoffversorgung enorm wichtig, aber nicht in erster Linie als Lieferant.

Die eigentliche Stärke von Wasser ist eine andere: Wasser ist Transportmedium.

Es hilft dabei, die Mineralien aus der Nahrung vom Verdauungssystem dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, nämlich bis in die Zellen. Gleichzeitig unterstützt Wasser den Abtransport von Stoffwechsel- und Abbauprodukten, die der Körper wieder loswerden möchte.

Für beide Richtungen ist Wasser unverzichtbar:

  • Hintransport: Nährstoffe und Mineralien zu den Zellen
  • Rücktransport: Abbauprodukte aus dem Körper heraus

Wenn man es auf den Punkt bringt, dann ist Wasser nicht die Quelle unserer Mineralien, sondern ihr Transporteur.

Warum Mineralien aus Wasser nicht automatisch optimal aufgenommen werden

Hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt: Die anorganischen Mineralien aus Mineralwasser können vom Körper nicht einfach eins zu eins so aufgenommen werden, wie oft angenommen wird.

In den Zellen laufen komplexe biochemische Prozesse ab. Wasser ist dafür eine zentrale Voraussetzung, aber es braucht noch weitere Stoffe, damit Mineralien sinnvoll verwertet werden können. Diese Begleitstoffe sind typischerweise in Lebensmitteln vorhanden, im Wasser jedoch meist nicht.

Deshalb funktioniert die Mineralstoffaufnahme über Nahrung in der Regel deutlich besser als über Wasser allein.

Das ist auch logisch. Ein Mineral schwimmt nicht einfach an einer Zelle vorbei und wird dann automatisch aufgenommen. Der Körper arbeitet mit fein abgestimmten Reaktionen, und dafür braucht er mehr als nur ein paar gelöste Teilchen im Wasser.

Warum Osmosewasser als Transportmedium interessant ist

Wenn die Hauptaufgabe von Wasser der Transport ist, dann bekommt die Frage nach Reinheit noch einmal eine andere Bedeutung.

Osmosewasser ist vergleichsweise arm an gelösten Stoffen. Es ist also nicht schon mit vielen Stoffen „vorbeladen“. Genau daraus ergibt sich die Idee einer hohen Transportkapazität.

Ein einfaches Bild dafür ist ein Zug:

  • Ein Zug, der schon voll besetzt ist, hat kaum noch Platz.
  • Ein leerer Zug kann deutlich mehr transportieren.

Übertragen auf Wasser bedeutet das: Wenn Wasser bereits mit vielen gelösten Stoffen beladen ist, ist seine Transportfunktion zumindest bildlich gesprochen weniger „frei“. Reineres Wasser hat hier andere Voraussetzungen.

Das natürliche Vorbild: Regenwasser, Quellwasser und der große Wasserfilter der Natur

Ein Blick in die Natur ist in diesem Zusammenhang besonders spannend.

Die Natur selbst arbeitet mit einem riesigen Wasserfiltersystem. Im Wasserkreislauf verdunstet Wasser, steigt als Wasserdampf auf und kommt als Regen wieder zurück. Dieser Vorgang entspricht im Prinzip einer Destillation.

Das Ergebnis: Regenwasser ist nahezu mineralfreies Wasser.

Erst wenn es auf den Boden trifft, beginnt es in geringem Umfang Mineralien aus dem Boden zu lösen. So wird daraus ein leicht mineralisiertes Wasser. Und je länger Wasser durch Erd- und Gesteinsschichten fließt, desto stärker kann die Mineralisierung zunehmen.

Auch das passt sehr gut zu der Beobachtung, dass es in der Natur viele schwach mineralisierte Wasser gibt. Daraus lässt sich zumindest die Überlegung ableiten, dass unser Körper im Lauf der Evolution sehr wahrscheinlich gut an solches Wasser angepasst ist.

Wie die Natur unsere Mineralienversorgung eigentlich organisiert

Wenn man verstehen will, wie Mineralstoffversorgung wirklich gedacht ist, hilft eine einfache Kette:

  1. Regenwasser löst geringe Mengen Mineralien aus dem Boden.
  2. Diese Mineralien gelangen in die Pflanzen.
  3. Pflanzen reichern sie deutlich stärker an als das Wasser selbst.
  4. Tiere fressen Pflanzen und können die Mineralstoffdichte weiter erhöhen.
  5. Über pflanzliche und tierische Nahrung gelangen die Mineralien schließlich zum Menschen.

Ein gutes Beispiel dafür sind Kuhmilch und Käse, die viel Calcium enthalten können. Hier wird deutlich: Die Natur setzt nicht darauf, dass Wasser uns direkt in großen Mengen mit Mineralien versorgt. Wasser übernimmt die Transportarbeit innerhalb der gesamten Kette.

Vom Boden über die Pflanze, vom Tier bis zum Menschen bleibt die Rolle des Wassers dieselbe: Transport.

Was man daraus für Osmosewasser ableiten kann

Wenn man all diese Punkte zusammenführt, ergibt sich ein ziemlich klares Bild:

  • Osmosewasser ist nicht komplett mineralfrei, sondern mineralarm.
  • Der Körper deckt seinen Mineralstoffbedarf nicht über Wasser, sondern vor allem über Nahrung.
  • Die zentrale Aufgabe von Wasser im Körper ist der Transport von Nährstoffen und Abbauprodukten.
  • Schwach mineralisiertes Wasser ist in der Natur keineswegs untypisch.

Damit verlieren die häufigsten Einwände gegen Osmosewasser einen großen Teil ihres Schreckens.

Ist eine leichte Remineralisierung trotzdem sinnvoll?

Ja, das kann durchaus sinnvoll sein. Nicht deshalb, weil Osmosewasser sonst „gefährlich mineralarm“ wäre, sondern weil eine leichte Remineralisierung den Geschmack und die anschließende Veredelung des Wassers oft positiv beeinflusst.

Es geht dabei also eher um Feinabstimmung und sensorische Qualität als um die Vorstellung, man müsse das Wasser zu einem bedeutenden Mineralienlieferanten machen.

Fazit: Osmosewasser wird oft missverstanden

Die Diskussion über Osmosewasser krankt häufig daran, dass Wasser mit Nahrung verwechselt wird. Wasser ist nicht dafür da, unseren täglichen Mineralstoffbedarf nennenswert zu decken. Dafür essen wir.

Wasser hat eine andere, mindestens genauso wichtige Aufgabe. Es transportiert. Es verbindet Verdauung, Zellen und Ausscheidung. Es schafft die Grundlage dafür, dass der Körper Nährstoffe überhaupt sinnvoll nutzen kann.

Und genau unter diesem Blickwinkel betrachtet ist Osmosewasser nicht das Problem, als das es oft dargestellt wird. Im Gegenteil: Als sauberes, schwach mineralisiertes Wasser passt es in vieler Hinsicht sehr gut zu dem, was man auch in der Natur beobachten kann.

FAQ zu Osmosewasser

Ist Osmosewasser mineralfrei?

Nein. Osmosewasser ist nicht vollständig mineralfrei, sondern mineralarm. Eine Umkehrosmoseanlage filtert zwar einen sehr großen Teil der gelösten Stoffe heraus, aber technisch bleibt immer ein kleiner Rest zurück.

Ist Osmosewasser ungesund, weil Mineralien fehlen?

Diese pauschale Aussage stimmt so nicht. Der Körper deckt seinen Mineralstoffbedarf hauptsächlich über die Nahrung und nicht über Wasser. Deshalb ist der geringe Mineralgehalt von Osmosewasser für die Versorgung in der Regel nicht der entscheidende Punkt.

Braucht der Körper mineralreiches Wasser?

Nicht im Sinne einer notwendigen Hauptquelle für Mineralien. Mineralwasser kann geringe Mengen beitragen, aber der eigentliche Mineralienlieferant ist die Nahrung. Wasser ist vor allem als Transportmedium wichtig.

Wie groß ist der Unterschied zwischen Mineralwasser und Osmosewasser bei der Mineralstoffversorgung?

Im Alltag ist der Unterschied erstaunlich klein. Der Mineralstoffvorteil eines Glases Mineralwasser gegenüber einem Glas Osmosewasser lässt sich bereits durch einen winzigen Käsewürfel und zwei Mandeln ausgleichen.

Warum schmeckt Osmosewasser oft so weich?

Weil vor allem Kalk und viele andere gelöste Stoffe weitgehend entfernt werden. Dadurch wirkt Osmosewasser oft milder, weicher und klarer im Geschmack.

Ist schwach mineralisiertes Wasser unnatürlich?

Nein. In der Natur gibt es viele Beispiele für mineralarmes Wasser, etwa Regenwasser, manche Alpenquellen oder Seen mit sehr niedrigen ppm-Werten. Schwach mineralisiertes Wasser ist also keineswegs etwas Künstliches.

Sollte man Osmosewasser remineralisieren?

Eine leichte Remineralisierung kann sinnvoll sein, vor allem für Geschmack und Veredelung. Sie ist aber nicht deshalb notwendig, weil Osmosewasser grundsätzlich gesundheitlich problematisch wäre.

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