Womit verbringst du deine Marketing-Zeit?

Die Cookie-Boxen, die sich bei den meisten Websites gleich als erstes in den Vordergrund drängen, sind hässlich und unsympathisch. Unser Website-Besucher muss sich erstmal mit einem Hindernis beschäftigen, das nichts mit ihm oder seinem Problem zu tun hat.

Die Cookie-Boxen sind eine Folge und ein Spiegel des Datensammel-Wahns im Internet.
Alles wird exzessiv aufgezeichnet. Wer kommt auf meine Website? Woher kommt er? Welche Seiten schaut er sich an? Wo geht er verloren?

Ja: viele dieser Zahlen sind interessant. Zumindest wenn man sie auch analysiert und daraus Erkenntnisse und Maßnahmen ableitet, was viele Website-Betreiber gar nicht machen.

Ja, diese Zahlen kann man sogar so aufzeichnen, dass man keinerlei Tracking und somit auch keine Cookie-Box braucht (wodurch man sich wunderbar von anderen Websites abheben kann.)

Der Zahlenwahnsinn hat allerdings einen hohen Preis, der weiter geht als die Existenz von Cookie-Boxen. Einen Preis, den man sich bewusst machen kann, denn er geht auf Kosten unserer Lebensqualität als Mensch und Unternehmer.

Ehrlich gesagt ziehe ich nur wenig wirklich wichtige Erkenntnisse aus den Analysen, wie viele Menschen meinen Newsletter geöffnet haben oder welcher Blog-Artikel wie performt.

Ich bin mir manchmal sogar unsicher, ob die Beschäftigung mit Suchworten so gut ist, weil ich mich von meiner Besonderheit in meiner Positionierung entferne und stattdessen einfach auf den wahrgenommenen Markt reagiere. Doch ich mache immer wieder erfolgreiche Suchwort-Analysen und ich freue mich auch sehr, wenn ich sehe, dass ein Blog-Artikel viel gefunden und gelesen wird.

Lieber jedoch verbringe ich meine Zeit mit Menschen:

Ich schreibe gerne persönliche Newsletter mit Themen, die mich selbst beschäftigen und interessieren. Ich habe das Gefühl, eine Botschaft, die mich so begeistert, dass ich darüber schreiben will, ist am ehesten auch interessant für meine Leser. Ich werde darin auch immer wieder bestätigt und erhalte E-Mails zurück, in denen mir echte Menschen Feedback geben und ausdrücken, dass mein Newsletter sie berührt hat. Mich erfüllt das mehr als tausend tolle Zahlen.

Wenn ich mich nicht so viel mit Zahlen beschäftige, habe ich plötzlich auch Zeit, wenn ein Kunde mich anruft und kann ausführlich mit ihm über sein Problem oder seine Herausforderung sprechen. Dabei lerne ich viel über meine Kundschaft und mögliche Verbesserungen meines Angebots. Und gleichzeitig stärke ich die Beziehung zu meinem Kunden und verbringe eine gute und interessante Zeit mit ihm.

Die zentrale Frage lautet:
Wie viel unserer Zeit wollen wir mit Zahlen verbringen und wie viel mit Menschen?

Natürlich hängt das auch davon ab, wie sehr wir Menschen mögen. Ob wir Dienstleister sind oder Produkte herstellen. Wie persönlich unser Anbebot ist. In welcher Branche wir arbeiten. Welche Strategie wir wählen. Für einige meiner Kunden mache ich exzessiv und mit großem Erfolg Suchwort-Analysen und dann interessieren mich Zahlen sehr.

Bei mir ist die Antwort klar: immer mehr Menschen, immer weniger Zahlen. Klar schaue ich ab und an in meine (schlanken) Statistiken. Und wie gesagt mache ich manchmal eine Suchwort-Analyse, bevor ich einen Blog-Artikel schreibe. Aber hauptsächlich konzentriere ich mich auf meine Kunden, unsere Beziehung und ihr Feedback.

Ich spüre einfach, dass mich Menschen reicher machen als Zahlen.
Dieser Reichtum beinhaltet ganz klar auch Geld, geht aber weit darüber hinaus. Es geht um Beziehungen und darum, dass meine Kunden Menschen sind und ich ihnen wirklich hilfreich sein kann. Das kann ich im Gespräch auch besser erleben als in einer Statistik. Es erhöht meine Lebensqualität. Meine Arbeit wird menschlicher, lebendiger und beseelter.

Mag sein, dass ich auf ein paar Euro verzichte, weil ich den Zahlen nicht mehr so viel Bedeutung beimesse. Aber selbst da bin ich mir nicht so sicher.

Leo Babauta (zenhabits.net) schreibt einen der meistgelesenen Blogs der Welt. Er trackt ganz bewusst schon seit Jahren nicht mehr.

Mein Lieblingsunternehmen BASECAMP ist ein extrem profitables Unternehmen und macht Millionen-Gewinne. Und das Unternehmen trackt gar nichts, weder auf der Website, noch in E-Mails, noch sonst wo. Der CEO von Basecamp, Jason Fried, interessiert sich nur für zwei Zahlen: Wieviele Kunden sind im letzten Monat dazu gekommen? Wie viele bestehende Kunden sind gegangen? Cool.

Zurück zu den Cookie-Bannern:
Ich freue mich einfach, dass ich keine Cookie-Box brauche und meine Besucher in Ruhe ihren Surf genießen können, von Anfang an. Ich vertraue etwas mehr und kontrolliere etwas weniger. Ich verbringe mehr Zeit mit Menschen als mit Zahlen.

Womit verbringst du deine Marketing-Zeit?

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Pssst... ich habe ein Buch geschrieben für bessere Websites:

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